Wappen von NaturnsNaturns (vom keltischen “ana duron”, dt. „Siedlung am Sumpf“; die von Sumpf und Auenlandschaft geprägte Talsohle wurde erst im frühen 20. Jahrhundert gänzlich trockengelegt) ist eine Marktgemeinde mit 5554 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2010) in Südtirol, ca. 12 km von Meran entfernt. Geographisch gehört sie noch zur Region Vinschgau, verwaltungsmäßig hingegen zum Burggrafenamt.

Die beschauliche Gemeinde hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Urlaubsort entwickelt. Grund dafür sind die vielen Wandermöglichkeiten auf zwei Bergseiten (von denen die Nordseite durch eine Seilbahn erschlossen ist), der breite Talboden, das milde Klima (315 Tage Sonnenschein/Jahr), das breitgefächerte Unterhaltungsangebot sowie die vielen Kunstschätze.

Naturns ist durch die 2005 wieder eröffnete Vinschgaubahn an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen.

Geschichte

Urgeschichte

Die erste Anwesenheit des Menschen in Naturns bzw. auf dem Naturnser Gemeindegebiet lässt sich durch Silexabschläge aus der Periode des Mesolithikums nachweisen, die 1984 auf dem Jochübergang zwischen Naturns und Ulten entdeckt wurden.

Auch aus dem darauffolgenden Neolithikum wurden 1958 unter einem auffälligen Felsdach am Sonnenhang ob Kompatsch mehrere Silexabschläge und Silexgeräte entdeckt, die auf einen Jägerunterschlupf schließen lassen. Im Volksmund als „Neuräutl“ bekannt, wird von der Gemeinde Naturns momentan eine Aufwertung der Fundstelle angestrebt, u.a. durch eine archäologische Untersuchung, die die These bestätigen soll, dass die gefundene Silici nicht aus dem Neolithikum, sondern aus dem Paläolithikum stammen.

Siedlungsbefunde aus jener Zeit liegen im Naturnser Gemeindegebiet nicht vor, jedoch befand sich am nahegelegenen Burghügel von Schloss Juval eine bedeutende neolithische Siedlung, von der jedoch nur mehr Silexfunde und eine große Anzahl von Keramiküberresten aus der Zeit der Vasi a bocca quadrata-Kultur zeugen.

Frühgeschichte

Durch vom heutigen Landesdenkmalpfleger Lorenzo dal Rì geleitete Ausgrabungen konnte auch eine durchgehende Besiedlung des Naturnser Gemeindegebietes in der Bronzezeit erwiesen werden. Bei Grabungen nahe dem Eingang zum Schnalstal kamen hierbei Siedlungsbefunde und Keramik aus der Bronzezeit zum Vorschein. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die verhältnismäßig hohe Fundfrequenz der Bronzezeit auf dem nahen Juvaler Burghügel bzw. Tarsch.

Über dem westlichen Dorfausgang erkennt man am Sonnenberg deutlich zwei Geländestufen, die „obere“ und die „untere“ Wallburg. Durch den Nachweis von Trockenmauern, die im Zuge des Elektrizitätwerk-Baus zerstört wurden, kann eine wohl eisenzeitliche Nutzung der strategisch gut gelegenen Geländestufen vermutet werden. Interessant ist vor allem der Zusammenhang mit einer Richtung Inneres Schnalstal gelegenen Felskuppe (lokal „Bürgele“, „Kleine Burg“, genannt), auf der ebenfalls Mauerreste nachgewiesen wurden und die eine einwandfreie Sicht sowohl ins Schnalstal als auch auf die Wallburg in Naturns bietet. Ob es einen Verbindungsweg zwischen dem Schnalstal und der Wallburg gab, ist nicht erwiesen, jedoch konnte ein Altweg, der die Naturnser Talebene mit der unteren Wallburg praktisch ohne Kurve und in gleich bleibender Steigung verband, nachgewiesen werden.

Antike

Im Zuge des Alpenfeldzuges des Drusus 15. v. Chr. unter der Herrschaft Kaiser Augustus’ wurde die örtliche Bevölkerung der Venosten – diese Bezeichnung taucht auf dem römischen Siegesdenkmal in La Turbie auf – dem römischen Reich einverleibt. Durch den Fund eines römischen Meilensteins in der Nachbargemeinde Rabland, kann man sehr sicher davon ausgehen, dass die berühmte römische Via Claudia Augusta auch an Naturns vorbeiführte (trotz immer noch nicht abgeschlossenen Forschungen bezüglich des genauen Verlaufes). Konkrete Befunde aus der Römerzeit fehlen in Naturns, jedoch konnte unter dem Grundriss der St. Prokuluskirche bei Ausgrabungen 1985/86 der Grundriss eines spätantiken Gebäudes nachgewiesen werden. Eine genaue Rekonstruktion der Struktur ist trotz Brandflecken einer Herdstelle, Pfostenlöcher und einiger verziegelter Stellen nicht möglich. Verbrannte Kleintierknochen, Lavezgefäße, Spinnwirtel und das Bruchstück eines bronzenen Körbchenohrringes lassen eine Datierung der Struktur um 600 n. Chr. zu. In die abgebrannte Ruine dieses Hauses wurden Bestattungen eingebracht, die stratigraphisch einwandfrei nachweisbar aber vor dem Bau der St. Prokuluskirche geschahen. Mit dem Bau der Kirche zwischen 630 – 650 (erste Phase) wurden diese Bestattungen durch den Bau der Westmauer gestört bzw. andere Bestattungen an jener Stelle wurden wohl entfernt.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

  • St. Prokulus Kirche: Bedeutende frühmittelalterliche Fresken, gemäß der lange Zeit unumstrittenen Datierung von ca. 720-770 wären es die ältesten im deutschsprachigen Kulturraum. Mittlerweile gibt es auch andere Datierungsvorschläge, die vom 7. bis zum 11. Jahrhundert reichen. Neben der Kirche das St. Prokulus Museum (siehe Weblinks).
  • Schloss Juval: Wohnsitz von Reinhold Messner, enthält u.a. seine Tibetika-Sammlung
  • Naturpark Texelgruppe
  • Jugend- und Erlebnisbahnhof
  • Erlebnisbad Naturns

Skigebiet und Seilbahnen

  • Schnalstaler Gletscher ein Ganzjahres-Skigebiet am Ende des Schnalstales. Das Skigebiet erstreckt sich im Winter vom Gletscher auf 3.200 m bis nach Kurzras auf 2.011 m.

Der Schnalserbach mündet unterhalb von Schloss Juval in die Etsch, die schmale Schlucht am Taleingang öffnet sich bereits nach 2-3 km, wo im Sommer saftige Wiesen mit Wäldern eine unverwechselbare Kulturlandschaft bilden. Uralte Bauernhöfe sind bis heute erhalten geblieben. Ein Seitental vom Schnalstal ist das Pfossental, welches zum Teil bereits zum Naturpark Texelgruppe gehört. Neben dem Skigebiet ist das Schnalstal auch noch sehr bekannt als Fundort von Ötzi.

Die Seilbahn Sonnenberg fährt von Naturns nach Unterstell.

Kraftwerk

In der Ortschaft befindet sich auch ein bemerkenswertes Hochdruckwasserkraftwerk der Etschwerke, das 1963 erbaut wurde. Das Triebwasser kommt aus dem Vernagt-Stausee auf 1.689,5 m Meereshöhe. Das Einzugsgebiet umfasst 150 Quadratkilometer. Von dort gelangt es über einen 15 km langen Druckstollen, in den vier Bäche eingeleitet werden, sowie eine zwei Kilometer langen Druckrohrleitung zum Krafthaus. Die Druckrohrleitung verläuft weithin sichtbar am Hang des Naturnser Sonnberges und weist einen Durchmesser von rund 2 m auf. Das Kraftwerk ist als Bau mit vorgespannten Stahlbetonschalen ausgeführt, spiegelt die karge Landschaft der dahinterliegenden Felsformationen wider und verfügt über drei Doppelpeltonturbinen der Firmen Voith und Riva. Zusammen leisten diese maximal 180 MW, bei der enormen Fallhöhe von über 1.150 Metern. Es ist das leistungsstärkste Wasserkraftwerk in Südtirol und zählt zu den Kraftwerken mit der weltweit größten Fallhöhe.

 

Naturns
(ital.: Naturno)
Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt
Provinz: Bozen (Südtirol)
Region: Trentino-Südtirol
Staat: Italien
Einwohner (VZ 2011/31.12.2010): 5.492/5.554
Sprachgruppen
laut Volkszählung 2011:
96,83 % deutsch
3,04 % italienisch
0,14 % ladinisch
Koordinaten 46° 39′ N, 11° 0′ OKoordinaten: 46° 39′ N, 11° 0′ O (Karte)
Meereshöhe: 518 – 3.081 m s.l.m. (Zentrum: 528 m s.l.m.)
Fläche/Dauer-
siedlungsraum:
67,0/13,8 km²
Fraktionen: Naturns, Staben, Tabland, Tschirland
Nachbargemeinden: Algund, Kastelbell-Tschars, Lana, Partschins, Plaus, St. Pankraz, Schnals, Ulten
Partnerschaft mit: Axams (A), Rhein-Pfalz-Kreis (D)
Postleitzahl: 39025
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021056
Steuernummer: 00449290212
Politik
Bürgermeister (2005): Andreas Heidegger

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