Wappen von St. Ulrich in Gröden

St. Ulrich in Gröden (lad.: Urtijëi?/i, ital.: Ortisei) ist eine Marktgemeinde und der Hauptort des Grödnertals in Südtirol mit 4636 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2010).

Geographie

Das Gemeindegebiet liegt am rechten Ufer des Grödner Baches und breitet sich an dem zum Raschötzer Höhenrücken ansteigenden welligen Berghang aus. Raumgeographisch und kirchlich gehört auch Überwasser, die am linken Ufer des Grödnerbaches gelegene Fraktion der Gemeinde Kastelruth, zu St. Ulrich.

Der „ladinische“ (grödnerische) Name Urtijëi sowie die italienische Entsprechung „Ortisei“ gehen auf einen Meierhof im Siedlungszentrum namens Ortiseyt zurück, der seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt ist. Der Hof erscheint in späteren Urkunden unter dem Namen „Mauriz“ und ist heute eines der ältesten Hotels im Tal. Die deutsche Bezeichnung St. Ulrich geht hingegen auf die katholische Pfarrei des Ortes zurück, die dem Hl. Ulrich, dem Schutzpatron des Ortes, aber auch der Erscheinung des Herrn, geweiht ist. Im Ulrichspatrozinium – ein typischer Besitzanzeiger – ist auch eine Reminiszenz an die mittelalterlichen Besitzungen der bischöflichen Kirche Augsburg im Eisacktaler und Grödner Gebiet enthalten.

Amtssprachen auf Gemeinde- und Talebene sind Ladinisch (Grödnerisch), Deutsch und Italienisch. Die große Mehrheit der Bewohner St. Ulrichs hat sich bei der Volkszählung (2001) als der ladinischen Sprachgruppe zugehörig erklärt.

Geschichte

Seit dem 17. Jahrhundert ist in St. Ulrich ein Großteil der Bevölkerung im Bereich der Holzschnitzerei, der sakralen Bildhauerei, des Altarbaus und der Holzspielzeugindustrie tätig. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde St. Ulrich zuerst von Bergsteigern wie Paul Grohmann entdeckt. Dem Wintertourismus gab Emil Terschak, der von 1893 bis 1900 im Ort wohnte, entscheidende Impulse.

Bekannt ist das Grödner Kunsthandwerk, insbesondere die Holzschnitzerei. St. Ulrich galt über zwei Jahrhunderte als internationales Zentrum für Holzschnitzereien. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erreichte die sakrale Holzschnitzkunst an der von Ferdinand Demetz gegründeten Kunstschule in St. Ulrich und auch wegen der Ausbildung mehrerer Grödner an den Akademien in Wien und München ihren künstlerischen und wirtschaftlichen Höhepunkt. Durch das Zweite Vatikanische Konzil erfuhr die sakrale Bildhauerei in St. Ulrich einen schweren Rückschlag. Nur noch zumeist maschinell geschnitzte Kleinplastiken fanden seit den 1960er Jahren Absatz, hauptsächlich in den deutschsprachigen Ländern und in den USA.

Bis 1960 war der Ort durch die Grödnerbahn mit Klausen verbunden. Die Grödnerbahn wurde hauptsächlich von russischen Kriegsgefangenen gebaut, die im Ersten Weltkrieg als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden.

1970 war St. Ulrich Austragungsort der alpinen Ski-Weltmeisterschaften.

Wirtschaft

Holzschnitzereien

Kunsthandwerk (S. Bildhauer in Gröden), Holzindustrie (Maschinschnitzen), Fassmalerei

Tourismus

Hauptwirtschaftszweig ist seit einigen Jahrzehnten der Tourismus. St. Ulrich zählt zu den bekanntesten Wintersportorten der Alpen.

Der Fremdenverkehr begann in St. Ulrich um 1850.[1][2]

1873 beschrieb Amalia Edwards ihren Aufenthalt im Dörflein St. Ulrich.[3]

1885 wurde der Verschönerungsverein St. Ulrich gegründet. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Sektion Gröden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins mit Sitz im Hotel Adler. Diese veranlasste den Bau der Raschötzhütte, die 1903 vollendet wurde.

1896 wurde der erste Rodelklub von Emil Terschak im Hotel Post gegründet und auch der Skisport wurde durch Emil Terschak und den Gadertaler Kostner in jenen Jahren eingeführt. Um die Jahrhundertwende gab es bereits einen Curling Club und 1907 wurde der erste Eisplatz geschaffen. 1927 wurde der erste Eishockeyclub gegründet und im selben Jahr ein neuer Eisplatz erstellt.

1935 wurde, in Anwesenheit des italienischen Kronprinzen Umberto di Savoia mit Familie, die erste Seilbahn in Gröden von St. Ulrich auf die Seiser Alm feierlich eingeweiht. Im selben Jahr wurde auch die erste Skischule in St. Ulrich gegründet, während im Sommer schon 4 Bergführer in St. Ulrich zur Verfügung standen.

Um 1950 wurde die Skipiste „Standard“ von der Seiser Alm bis ins Dorf eröffnet. Im gleichen Jahr entstanden auch drei öffentliche Tennisplätze, an denen ab 1952 jährlich internationale Tennisturniere ausgetragen wurden.

1952 wurde die Raschötzer Bahn, ein Sessellift auf die Raschötz, gebaut. 1953 wurde der Verein der Bergführer und Bergretter Catores ins Leben gerufen. 1956 wurde das erste öffentliche Freibad gebaut. Auch das 1957 erschienene Buch Gröden im Herzen der Dolomiten von Luis Trenker trug dazu bei, die Anzahl von Anreisen deutscher Touristen zu erhöhen.

1961 wurde die Secedaalm durch eine Doppelseilbahn von St. Ulrich aus erschlossen.

1967 entstand ein Kunsteisplatz. Dieser wurde 1980 für die Eishockey-Weltmeisterschaft 1981 der B-Gruppe überdacht, die in St. Ulrich ausgetragen wurde.

Für die Alpine Skiweltmeisterschaft 1970 wurden im Dorfzentrum ein Kongresshaus, geplant von Architekt Hubert Prachensky, und ein neues Gemeindehaus gebaut. 1975 wurde das Finale des Alpinen Skiweltcups mit einem Parallelslalom von Ingemar Stenmark und Gustav Thöni auf dem Ronc Hügel ausgetragen.

1976 entstand ein öffentliches Hallenbad mit Wellness-Anlagen Mar-Dolomit. 1981 wurde die Langlaufloipe Minert geschaffen. 2001 entstand die Verbindung „La Curta“, teils unterirdisch und zum Teil mit Rolltreppen, zwischen dem Dorfkern und der Aufstiegsanlage Seceda.

2004 wurde St. Ulrich durch den Bau einer unterirdischen Standseilbahn (Gardena Ronda Express) an die Skigebiete der Sellaronda direkt angebunden; vorher ging dies über Busverbindungen.

Eine 2005 errichtete neue Fußgängerbrücke, welche die Talstraße und den Grödner Bach überspannt, ermöglicht eine rasche Verbindung vom Dorfkern zur neuen Umlaufbahn auf die Seiser Alm.

2008 wurde die Fußgängerzone im Zentrum erneuert und für durchfahrenden Autoverkehr ganz abgesperrt. Zugleich wurden Spazierwege in das Annatal und auf den Hügel Col de Flam ausgebaut.

Am 21. Mai 2005 war St. Ulrich, wiederum nach 1940, Endziel einer Etappe des Radrennens Giro d’Italia.

Jahr Gäste Übernachtungen Gastbetriebe Bettenzahl
1890 1130 146
1908 700
1934 220 2113 50 % ca. in Privathäusern
1960 280414 455 3487
1984 599272 495 6127
2000 635845
2009 843463 5721

Schulen

  • Kindergarten Salieta
  • Grundschule
  • Mittelschule St. Ulrich Ujep Anton Vian
  • Kunstgymnasium Cademia
  • Landesberufsschule für das Kunsthandwerk Gröden
  • Wirtschaftsfachoberschule Raetia
  • Musikschule Gröden

Bibliotheken

  • Bibliothek S. Durich
  • Ladinische Bibliothek Cesa di Ladins
  • Fachbibliothek für Kunst Kreis für Kunst und Kultur

Sehenswürdigkeiten

Kirchen

  • die Pfarrkirche des Hl.Ulrich des Joseph Abenthung (Baujahre 1792-1796). Es finden sich hier sowohl Elemente aus Renaissance und Barock, als auch klassizistische Stilelemente (Nach Atz-Schatz ist der Baustil der Kirche der „gewöhnlich neuitalienische um 1800“). Die Kirche ist ausgestattet mit Werken des Johann Dominik Mahlknecht, Josef Moroder Lusenberg, Rudolf Moroder Lenert, Ludwig Moroder, Ferdinand Demetz, Johann Baptist Moroder, Anton Pitscheider, Vigil Dorigo, Anton Insam, Josef Mersa, Jakob Crepaz-Maidl und Vinzenz Peristi u.v.a. Die Fresken im Hauptschiff sind Werke des Tiroler Malers Franz Xaver Kirchebner und von dessen Bruder Josef;
  • die Antoniuskirche mit zwei Bischöfen des Johann Vinazer, dem Hl. Franziskus des Ludwig Moroder, dem Hl. Antonius des Paul Moroder, der Dreifaltigkeit des Vinzenz Moroder und zwei Altarbildern des Josef Moroder Lusenberg und des Schweizer Malers Melchior Paul von Deschwanden, und der Bernadette und die Mutter Gottes in der Lourdes-Grotte, Skulpturen von Jakob Crepaz da Maidl;
  • die St. Anna-Kirche im Friedhof mit zahlreichen Skulpturen namhafter Grödner Künstler. Begraben sind hier auch der Filmregisseur Luis Trenker und der Bergsteiger Ludwig Norman-Neruda;
  • die Gefallenenkapelle auf dem Kirchplatz in St. Ulrich, im Jugendstil entworfen von Prof. Adolf Keim, mit der Pietà des Ludwig Moroder und der ältesten Glocke Grödens wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert (siehe Bild);
  • Kapelle am Col de Flam mit Christusfigur von Luis Insam;
  • die St.-Jakobs-Kirche, der Überlieferung nach älteste Kirche des Tales mit einem schönen Freskenzyklus und einem barocken Hauptaltar mit Statuen der Künstlerfamilie Vinazer.

Andere Sehenswürdigkeiten

  • das Museum Gröden, lad.: Museum de Gherdeina, in der Cesa di Ladins besitzt eine reiche Sammlung von Grödner Holzschnitzereien vom 17. bis 20. Jahrhundert, altes Grödner Holzspielzeug, Fossilien und Mineralien aus den Dolomiten, archäologische Funde aus dem Grödner Raum von der Stein- Bronze- und Eisenzeit bis zur Römerzeit, über 30 Werke des Grödner Kunstmalers Josef Moroder Lusenberg und das originale Hauptaltarblatt der St.-Jakobs-Kirche von Franz Sebald Unterberger. Einmalig im Alpenraum sind die Rötelzeichnungen auf einer spätmittelalterlichen Täfelung und das barocke Fastentuch von St. Jakob. Bekannt ist das Museum auch wegen des Nachlasses des Grödner Filmproduzenten, Bergsteigers und Architekten Luis Trenker;
  • Villa Venezia mit den Skulpturen des Johann Baptist Moroder;
  • das Paul-Grohmann-Denkmal, errichtet 1898 unterhalb von St. Jakob für den Erschließer der Dolomiten;
  • die mittelalterliche Burgruine Stetteneck.

 

St. Ulrich in Gröden
(lad.: Urtijëi, ital.: Ortisei)
Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern
Provinz: Bozen (Südtirol)
Region: Trentino-Südtirol
Staat: Italien
Einwohner (VZ 2011/31.12.2010): 4.659/4.636
Sprachgruppen
laut Volkszählung 2011:
9,30 % deutsch
6,51 % italienisch
84,19 % ladinisch
Koordinaten 46° 34′ N, 11° 40′ OKoordinaten: 46° 34′ N, 11° 40′ O (Karte)
Meereshöhe: 1.125 – 2.518 m s.l.m. (Zentrum: 1.236 m s.l.m.)
Fläche/Dauer-
siedlungsraum:
24,3/2,8 km²
Nachbargemeinden: Kastelruth, Lajen, St. Christina in Gröden, Villnöss
Postleitzahl: 39046
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021061
Steuernummer: 00232480210
Politik
Bürgermeister (2010): Ewald Moroder (SVP)

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